Klein-Orphi wurde am 13.12.95 geboren und war schon vom ersten Tag an ein kleiner Rüpel - muss man vielleicht auch sein, wenn man als einziger von 7 Welpen überleben will. In der (für die Menschen) suboptimalen Welpenaufzucht entdeckte er die Katzenklappe (vom Vormieter) und wurde ganz alleine stubenrein. Die ihm allerdings auch beinahe zum Verhängnis wurde!
Wir mussten weg und baten meine damals 7-jährige Tochte, sie so einzustellen, dass er nicht raus konnte. Als ich 3,5 Stunden später heimkam, sah ich eine Menschentraube um unser Gärtlein und hörte ein furchtbares Gewimmer. Herangesaust sah ich mein Hundebaby im tiefen Schnee nur noch Kreisekriechen... Nein, keiner kam auf die Idee ihn mal hoch zu nehmen und zu wärmen, sie glotzen nur. Tja, ich packte ihn und rubbelte und wärmte und Mama half... Ergebnis war die schlimmste Fehlprägung überhaupt: Er verlor sein Urvertrauen auf Schutz. Keine Sekunde alleinebleiben können war das Resultat und in Gefahr rannte er bestenfalls zum Auto, aber weder zu Mama noch zu mir...
Überhaupt seine Mama... sie war ja sooo streng! Ständig brüllte sie ihn an und packte ihn beim Gassi. Er musste ja sooo weinen und schreien. Als verantwortungsvolles (und eigentlich erfahrenes!) Frauchen griff ich natürlich ein und "rette" das kleine Würmchen!
Wenn er kalte Pfötchen bekam, kratzte er am Bein oder wartete, bis der Schnürsenkel offen war und krabbelte einer gleich auf den Schoss. Überhaupt verstand er gar nicht, als er da eines Tages wirklich nicht mehr drauf passte!
Er wuchs und gedeihte. Natürlich streng eiweissarm ernährt, konnte ich meinen Pansen auch 3 km schleppen... er fand und frass ihn immer! Meist schneller, als ich mit dem Stinketeil über die Wiesen stolperte. Schweiss konnte ich 3 Tage unter Regen liegen lassen, für einen Podenco doch kein Problem. So bestand er auch seine Schweissprügung mit Links - hüstel, wenn man die Abzüge wegrechnet, weil der prüfer so Rennen musste
Das einzige, was ihm Spass machte, war der Katastrophen-Lawinenhund
Dank der wirklich sehr streng kontrollierten Fütterung
Dann kam die Katastrophe. Wir lebten seinerzeit in einem 3-stöckigem Haus, mein Büro war in der untersten Etage, das Wohnzimmer in der Mitte, die Schlafzimmer oben. Oft schoss Klein-Orphi schreiend vom Sofa hoch und raste durch´s ganze Haus, bis er mich im Büro fand... Nur um bei mir sein zu können, legte er sich sogar auf kalte Fliesen. Natürlich holte ich sofort ein Deckchen!
Und eines Tages hörte ich sein typisches Gegiftel, wenn er sich mit Mama fetzte... Nur war das "Opfer" nicht seine Mama, sondern meine Tochter, die ein Loch in der Backe trug! Völlig entsetzt erforschte ich, was passiert sei. Nichts. Aha. Noch am selben Abend erwischte er mich. Aus dem Nichts (für mich!). MEIN Hund
Tage später standen beide neben mir an der Treppe und ich sah die Faust meiner Tochter mit voller Wucht auf seine Nase krachen.
Kinder waren für ihn offensichtlich absolut unten durch - sobald er die Chance hatte, in ein Kinderzimmer zu gelangen, wurde dies ausführlich markiert
Als er 3 wurde, lernte er angeleint am Pferd mitzulaufen und das Pferd aufzupassen, wo er seine kleinen Pfötchen hinsetzt. Boah, ich habe manchen Flug nur dank kräftiger Mähne verhindern können
Dann war da noch der Besuch bei einer langjährigen Freundin... Hundetrainerin ihres Zeichens mit dem strikten Gebot, Hunde bleiben im Garten, Frauchens bei Kälte in der Küche. Diese hatte eine Glastür zu einer Terrasse, die knapp 1,5m hoch eingezäunt war. Wir waren keine 5 Minuten drin, als Klein-Orphi bemerkte, dass er draussen und Frauchen drin war und seinen Hundekumpels lautstark erklärte, dass er das nicht lustig findet. Bevor ich reagieren konnte, sprang er über den Zaun und fast durch die Glastür
Kaputt gemacht hat Klein-Orphi nie viel. Mal eine Kopfstütze und ein paar Sicherheitsgurte (Listo war schlimmer!), aber sonst
Dafür lernte er schnell Schubladen zu öffnen. Bevorzugt diejenigen, wo die Hundeleckerchen versteckt waren - und den Tipp bekam er stets von Mama. Er kletterte überall hoch, puhlte das Zeug raus und bis er wieder am Boden war, um die Beute zu sichern, hatte dies seine Mama schon übernommen und er sass motzend davor, aber abgegeben hatte sie nie
Irgendwann ging Onkel Listo aus dem Haus und kam nicht wieder und irgendwann wurde seine Mama immer langweiliger. Sie rannte nicht mehr mit ihm um die Wette, lag viel auf dem Sofa und spielte auch nicht mehr so wirklich. Nur wenn es um die Schweineohren ging, lebte sie wieder auf! Als sie 14 war und eines Tages so schwach war, dass sie beim Pipimachen hinfiel, mussten wir sie einschläfern. Nun war Klein-Orphi alleine, aber mit seinen 10 Jahren ja angeblich nun ruhiger. Was wir täglich feststellten, weil er noch locker über die Reithallenbande sprang und uns letztlich noch keinen Deut weniger in Atem hielt. Sein ganzes Leben war er liebend gerne Auto gefahren, nur irgendwann vor 3 Jahren bekam er hysterische Kreischattacken, wenn wir Richtung Autobahn fuhren. AB-Fahrten wurden seitdem zur Qual, vor allem für den Hund. Nur ganz vermeidbar waren sie nicht, denn Zuhause blieb er ja auch nicht länger, als 1-2 Stunden. Mit Rescue-Tropfen und einer hinten sitzenden Person ging es einigermassen... Aber wir warteten stets auf einen Infarkt! Auch Gewitter wurden plötzlich lebensbedrohlich.
Vorletzten Januar bekam er eine Magendrehung, deren OP er aber problemlos überstand. Nach 24 Stunden glaubte mir die TK auch, dass er keine Woche dort bleiben würde und baten mich abends um 20.00 Uhr auch um dringende Abholung
Letztes Jahr im Sommer baute er plötzlich massiv Hinterhandmuskeln ab und wurde damit auch ruhiger, erschöpfte beim Gassi viel schneller. Dann fiel er 2, 3 Mal die Treppe schon auf den ersten 2 Stufen wieder rückwärts runter... Er hasste inzwischen kaum etwas mehr, wie getragen werden... Ende Winter begann er die Hinterpfoten zu überköten und fürchterlich zu schlurfen. "Heb´ die Füsse" wurde zum Standardsatz. Auch ins Auto sprang er nicht mehr so gerne, aber ein kleiner Schubs und es klappte. Im April diesen Jahres war ich 3 Wochen in der Heide mit ihm und arbeite ganz gezielt am Muskelaufbau. 20 Stunden am Tag nur für den Hund - doch nach dem Morgengassi war bis zum Nachmittag nichts mehr von ihm zu wollen. Sogar zum Fressen war er zu müde. Nur abends erholte er sich schneller und gewöhnte sich an, um 0.00 Uhr noch ein Pipi-Gassi einzufordern.
Ich bildete mir auch ein, er habe in der Zeit ein paar Müskelchen aufgebaut und nahm ihn wieder im Schritt zum Reiten mit. Toll, wenn man so aufpassen will und Klein-Orphi plötzlich anzieht und das eingespielte Team Hund-Pferd plötzlich lossausen
Irgendwann fiel uns auch auf, dass er nicht mehr sprang und Türen nur noch selten öffnete. Vor ein paar Wochen merkte ich, dass sein Gesicht ganz spitz wurde, alle Knochen stachen heraus, tiefe Höhlen taten sich über den Augen auf... Nun denn, es ist ein alter Hund und bei seiner Mama war es ja dasselbe...
Samstagnachmittag hüpfte er nach einem Gassi ins Auto, quietsche auf dem Turnier auch noch fremde Hunde an und auf der Rückfahrt fiel mir auf, dass Klein-Orphie gar nicht meckerte, obwohl wir auf der AB waren. Zuhause konnte er nicht mehr alleine rauskommen, lief aber, als ich ihn aufstellte. Nach dem Pipi trug ich ihn hoch ins Bett und mass Fieber: 40,9°! Ein Anruf bei der TÄin ergab, er habe sich zum Sterben gelegt. Das Fieber käme vom Abbau des körpereigenen Eiweisses. Aha
Mir liess das keine Ruhe, nochmal messen und nun kam ein Riesenschwall gelblicher Flüssigkeit mit Schleim aus dem After! Vonwegen liegt im Sterben, Wadenwickel geholt und den nächsten TA angerufen. Er kommt. 10 Min. später war er da, beschloss eine Enteritis, hängte Orphi an den Tropf und verpasste ihm ein paar Piekser. Nur Hüttenkäse solle er haben und Wasser. Toll, Samstagnacht! Immerhin hob er den Oberkörper und Kopf wieder und kam selbstständig in Brustlage. Wasser ging mit der Spritze ins Maul, er schleckte dann auch aus der hohlen Hand. Nach 4 Stunden war das Fieber runter. Es ging hin und her, selbstständig kam er gar nicht mehr hoch, lief aber, wenn ich ihn aufstellte und pinkelte auch draussen. Durchfall hatte er nur 1x am Sonntagabend. Essen ging über die Spritze und Trinken auch. Am Mittwoch hielt ich die Situation nicht mehr aus, bezweifelte diese Enteritis, zumal er total neugierig und interessiert guckte und wir fuhren - trotz seiner Phobie - in die TK. Dort hörte ich mir erstmals NICHT an, es sei doch ein alter Hund. Im Gegenteil, die Untersuchungen ergaben einen organisch so kerngesunden Hund, dass ich gefragt wurde, ob ich mir des Geburtsdatums sicher sei... Nur die neurologischen Ausfälle... Als die Liquor-Untersuchung (leider) auch negativ war, wurde mir klar gesagt, dass er so, liegend, noch Monate leben könnte, aber nie mehr selber aufstehen... und dann verlängerten wir die Narkose in der er war... für immer... Die grauenhafteste Entscheidung meines Lebens!
Seufz... nun hüpft er über die Wolken und zerscharrt sie, damit er als mal einen Blick werfen kann und seine Frauchens sitzen da und können keine Gurke und keinen Joghurt mehr essen...
...und Ihr habt hier eher einen Roman für lange, kalte Winterabende...
Ich habe bestimmt die Hälfte vergessen - und wollte eigentlich nur 2-3 Sätze schreiben... Bin jetzt mal mutig und schicke es einfach ab und korrigiere nichts mehr.





